Ersatzteile & Werkstatt
Wenn der Lichtbogen unter dem Mikroskop verschwindet
Lampert PUK 3 professional plus – Präzisionsschweißsystem, Deutschland, um 2008.

Präzisionsschweißen
Wenn der Lichtbogen unter dem Mikroskop verschwindet
Bei einem normalen Schweißgerät denkt man an Werkhallen, Schutzmasken und Funkenflug. Beim Lampert PUK 3 professional plus wäre das ungefähr so angemessen wie ein Vorschlaghammer beim Uhrmacher.
Dieses Gerät wurde für eine völlig andere Größenordnung gebaut.
Der PUK arbeitet mit extrem kurzen, fein dosierten Schweißimpulsen unter Argon-Schutzgas. Gearbeitet wird direkt unter einem Stereo-Schweißmikroskop. Dadurch lassen sich winzige Stellen an Schmuckstücken, Uhren- und Feinmechanikteilen bearbeiten, bei denen eine klassische Löt- oder Schweißtechnik viel zu viel Wärme in das Werkstück bringen würde.
Der entscheidende Fortschritt liegt dabei weniger in roher Leistung als in ihrer Kontrolle: Energie wird nur dort eingebracht, wo sie tatsächlich gebraucht wird. Empfindliche Bereiche unmittelbar daneben werden deutlich weniger thermisch belastet.
Das machte solche Systeme besonders für Goldschmiede, Schmuckwerkstätten, Feinmechaniker und Restauratoren interessant. Edelmetalle, Stahl, Titan und verschiedene Nichteisenmetalle können damit bearbeitet werden.
Feinarbeit
Schweißen mit Fingerspitzengefühl
Beim PUK 3 professional plus lassen sich Schweißleistung und Impulsdauer an die jeweilige Aufgabe anpassen. Die Plus-Ausführung besitzt fünf speicherbare Programme und verschiedene Impulsarten, darunter einen Micro-Modus für besonders feine Arbeiten sowie einen Gap-/Fugenmodus.
Der eigentliche Arbeitsplatz befindet sich unter dem Mikroskop. Das Schweißhandstück wird wie ein Präzisionswerkzeug geführt. Erst beim Kontakt mit dem Werkstück entsteht der kurze Schweißimpuls.
Was früher Erfahrung mit Flamme, Lot und Wärmeverteilung verlangte, wurde damit um eine weitere Möglichkeit ergänzt: Metallbearbeitung im Maßstab eines Uhrmachers, aber mit einem kontrollierten Lichtbogen.
Details
Galerie des Präzisionsschweißsystems
Schutzgas
Argon statt Sauerstoff
Zum System gehört die Schutzgasversorgung. Verwendet wird hochreines Argon, beim abgebildeten Arbeitsplatz Argon 4.6. Das Edelgas verdrängt während des Schweißvorgangs den Sauerstoff aus dem unmittelbaren Arbeitsbereich und verhindert so unerwünschte Reaktionen des erhitzten Metalls mit der Umgebungsluft.
Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus Mikroskop, Gasflasche, Druckminderer und Elektronik beinahe wie ein kleiner Laborarbeitsplatz.
Im Grunde ist sie das auch.
Herkunft
Aus einer professionellen Werkstatt
Das hier gezeigte System stammt aus einem tatsächlich gewerblich genutzten Uhrmacher- und Feinmechanikbestand. Erhalten sind das Lampert PUK 3 professional plus Grundgerät, das Schweißhandstück, das Stereo-Schweißmikroskop mit Schutzsystem sowie die zugehörige Argon-Ausrüstung.
Das Gerät trägt außerdem einen iF product design award 2008-Aufkleber. Selbst bei einem Werkzeug, dessen Aufgabe darin besteht, winzige Metallteile miteinander zu verschweißen, konnte man offenbar nicht widerstehen, auch noch über das Gehäusedesign nachzudenken. Menschen bleiben konsequent.
Technische Daten
Objektdaten
- Hersteller
- Lampert Werktechnik GmbH, Deutschland
- Modell
- PUK 3 professional plus
- Geräteart
- Präzisions-/Feinschweißgerät
- Verfahren
- Mikro-Impuls-Lichtbogenschweißen unter Schutzgas
- Schutzgas
- Argon, mindestens 99,9 %
- empfohlenes Schutzgas
- Argon 4.6
- maximaler Gasdruck
- 4 bar
- Leistungsaufnahme
- ca. 400 VA
- Schweißkreisspannung
- 20–43 V
- Einschaltdauer
- 80 %
- maximale Ladezeit
- ca. 0,8 Sekunden
- Programme
- fünf speicherbare Programme
- Impulsarten
- Standard/Soft, Micro und Gap/Fuge
- Gewicht Grundgerät
- ca. 8,1 kg
- Einsatzgebiete
- Schmuck, Goldschmiedearbeiten, Uhren- und Feinmechanik, Reparatur, Modellbau und industrielle Feinarbeiten
- Herkunft
- Deutschland
Die technischen Angaben beziehen sich auf die Herstellerunterlagen der Modellreihe PUK 3 professional/professional plus.
Werkstattgeschichte
Ein Werkzeug aus der Zeit, als Präzision elektronisch wurde
Der PUK 3 steht für einen interessanten Wandel in der Werkstattgeschichte. Mechanische Präzision verschwand nicht. Sie bekam elektronische Unterstützung.
Die ruhige Hand des Handwerkers blieb notwendig, ebenso Erfahrung, Materialkenntnis und ein gutes Auge. Nur arbeitete dieses Auge jetzt durch ein Mikroskop und die Flamme wurde durch einen elektronisch kontrollierten Schweißimpuls ersetzt.
Ein kleiner Lichtbogen für wenige Millimeter Metall – und ein ziemlich großer Technologiesprung für die Werkbank.
